Positionspapier zum Wassertourismus in Ostdeutschland beim Erfahrungsaustausch in Hennigsdorf vorgestellt

Positionspapier zum Wassertourismus in Ostdeutschland beim Erfahrungsaustausch in Hennigsdorf vorgestellt
Beim Erfahrungsaustausch Wassertourismus am 17. März in Hennigsdorf wurde das neue Positionspapier „Wassertourismus in Ostdeutschland – Wirtschaftskraft sichern, Infrastruktur modernisieren, Nutzung steuern“ vorgestellt. Das Papier zeigt die wirtschaftliche Bedeutung der Branche in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf und formuliert konkrete Forderungen an Politik und Verwaltung, um die Leistungsfähigkeit der Wasserstraßen langfristig zu sichern.
Der Wassertourismus ist in Ostdeutschland ein stabiler Wirtschaftsfaktor mit wachsender Nachfrage. Rund 6.100 direkt Beschäftigte, etwa 300 Millionen Euro Jahresumsatz sowie rund 800 Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verdeutlichen die hohe Bedeutung der Branche für Tourismus, Handwerk, Dienstleistung und regionale Entwicklung. Hinzu kommen zusätzliche Ausgaben von Gästen vor Ort, die die wirtschaftlichen Effekte weiter verstärken.
Trotz dieser positiven Entwicklung stößt der Wassertourismus zunehmend an strukturelle Grenzen. Viele Wasserstraßen und Schleusen weisen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf, Liegeplätze und Serviceinfrastruktur sind vielerorts nicht ausreichend vorhanden und Genehmigungsverfahren dauern häufig zu lange. Gleichzeitig führen Klimawandel, Nutzungskonflikte und steigende Anforderungen an Umwelt- und Sicherheitsstandards zu zusätzlichem Handlungsdruck.
Das Positionspapier formuliert deshalb klare strategische Ziele bis 2030. Dazu gehören die dauerhafte Sicherung der Befahrbarkeit touristisch genutzter Wasserstraßen, der gezielte Ausbau von Liege- und Rastplätzen, der Aufbau flächendeckender Entsorgungs- und Ladeinfrastruktur sowie eine stärkere Digitalisierung von Information und Steuerungssystemen. Gleichzeitig soll die Entwicklung stärker auf Qualität, Nachhaltigkeit und eine bessere Besucherlenkung ausgerichtet werden. Auch die Anpassung an den Klimawandel und der Ausbau emissionsärmerer Antriebe auf dem Wasser spielen eine zentrale Rolle.
Im Mittelpunkt stehen sieben konkrete Forderungen: ein verlässliches Infrastrukturprogramm für Wasserstraßen und Schleusen, eine Offensive zum Ausbau von Liege- und Servicekapazitäten, vereinfachte Genehmigungsverfahren, ausreichendes Personal in Verwaltung und Betrieben, eine stärkere Berücksichtigung der Freizeitschifffahrt in der Politik, eine bessere Datengrundlage zur Steuerung der Nutzung sowie klare Regeln zur Lösung von Nutzungskonflikten.
Der Austausch in Hennigsdorf hat gezeigt, dass bereits wichtige Fortschritte erzielt wurden, etwa durch die Weiterentwicklung der Sportschifffahrtsverordnung und den intensiveren Dialog mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. Gleichzeitig wurde deutlich, dass bestehende Engpässe das weitere Wachstum zunehmend begrenzen. Besonders in Berlin zeigen sich Defizite bei Gastliegeplätzen, Entsorgungsinfrastruktur und Werftkapazitäten, während zusätzliche Nutzungskonflikte durch Renaturierungsmaßnahmen entstehen können, wenn keine ausreichenden Ausgleichslösungen vorgesehen werden.
Der Wassertourismus in Ostdeutschland bleibt eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte – sein weiteres Wachstum hängt jedoch davon ab, ob Infrastruktur, Verwaltung und Gewässermanagement mit der steigenden Nachfrage Schritt halten. Dafür braucht es klare Prioritäten, verlässliche Investitionsentscheidungen und eine ausreichende finanzielle Ausstattung für Bau, Unterhaltung und Betrieb der Wasserstraßen.
Das vollständige Positionspapier finden Sie hier: